Würselen. Dieser Abend ist anders. Aufwühlende Musik, faszinierende Akteure und eine mitreißende Performance: Auf der Bühne von Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg sind internationale Künstler mit weltmusikalischer Prägung zurzeit Dauergäste.
Besondere Beachtung verdient dabei „Wunderkind“ Roger Landu, der aus einer Metalldose, einem gebogenen Stück Holz und einer Saite ein Instrument namens Satonge geschaffen hat, auf dem er die erstaunlichsten Soli spielt.

Der Alltag von Straßenkindern und ehemaligen Kindersoldaten bestimmt die Songs von “Staff Benda Bilili”. Die Mitglieder dieser einzigartigen Formation aus Kinshasa City leben unter freiem Himmel, einige von ihnen sind an Polio erkrankt und sitzen in selbstgebauten Rollstühlen.
Den folgenden Artikel erhielt ich von Margret Embry, Mitglied im Vorstand der Europäischen Polio Union.
Ich denke, es ist eine gute Idee ihn hier zu veröffentllichen, zumal Itzhak Perlman eine sehr bekannte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens ist und uns helfen kann, das Thema Poliospätfolgen in die Öffentlichkeit zu bringen.
Ein Wermutstropfen: Leider ist dieser Artikel nur in englischer Sprache verfügbar, ihn zu übersetzen wäre sehr zeitaufwändig undim Moment fehtl mir die Zeit dafür.
Wie auch immer und für alle, die sich für diesen großartigen Musiker interessieren, dürfte der Artikel dennoch interessant sein.
Hier zunächst ein kleines Video für alle, die diesen großartigen Musiker noch nicht kennen oder ihn sich noch einmal verinnerlichen wollen:
Itzhak Perlman (Schindler’s List)
On November 18, 1995, Itzhak Perlman, the violinist came on stage to give a concert at Lincoln Center in New York City . If you have ever
been to a Perlman concert, you know that getting on stage is no small achievement for him.
Glück gehabt.
Von Klaus Kreuzeder. LangenMüller, München. 272 S., 19,95 Euro.
Es wird nicht allzu viele deutsche Musiker geben, die mit Stevie Wonder gejammt haben. Zwanzig Minuten lang, vor begeistertem Konzertpublikum. Aber der Sopransaxofonist Klaus Kreuzeder, der auch schon mit Sting, Al Jarreau und Udo Lindenberg spielte, ist nicht unbedingt der typische deutsche Musiker. Bereits zu seinen Landkommunen-Zeiten, als er mit der Jazzrock-Band Aera tourte, war er nach eigenen Angaben der wahrscheinlich einzige Hippie, der auf Körperhygiene wert legte. Und später, als Bankrotteur, Straßenmusiker und Hansdampf in allen Kulturgassen, stimmte er nie den hierzulande typisch mürrischen Blues des unterbezahlten Jazz- und Pop-Könners an. Schon allein deshalb ist seine Autobiografie die Lektüre wert. Unlarmoyant spielt da einer um sein Leben: Das Saxofonspielen hat Kreuzeders Lunge so gestärkt, dass der an Prostatakrebs und den Spätfolgen einer Polio-Erkrankung leidende Musiker dem Tod im vergangenen Sommer gerade so von der Schippe springen konnte.
Klaus Kreuzeder, geb. am 04. 04. 1950, erkrankte Im Alter von eineinhalb Jahren an Polio (Kinderlähmung) und lebt seit dieser Zeit im Rollstuhl. Um die Lunge zu stärken, wollte seine Mutter, dass er Blockflöte lernt. Damals begann seine Liebe zur Musik. Seine Karriere als Saxophonist und Profimusiker startete er - gegen den Willen seiner Eltern - mit 16 Jahren.
Abendzeitung
Der Saxofonist Klaus Kreuzeder kommt nach schwerer Krankheit zurück auf die Bühne: Mit neuer CD und seiner neuen Autobiografie – und dem Gefühl, dass er es unbedingt „noch mal wissen will“.
Selten war der Begriff Comeback so passend: Der Saxofonist Klaus Kreuzeder kommt zurück, nicht nur auf die Bühne, sondern ins Leben überhaupt. Es ist ein Wunder, von dem er im Interview berichtet.
AZ: Herr Kreuzeder, Sie waren vor kurzem dem Tod näher als der Konzertbühne. Was ist passiert?
Zitat von der offiziellen Webseite von STAFF BENDA BILILI:” “We’re all handicapped people, ain’t we?” (Irgendwie sind wir doch alle behindert, oder etwa nicht?).
Ich denke das trifft es ziemlich genau!
Auch irgendwie, so ein bisschen im Umkehrschluß sind sogenannte Behinderte durchaus auch zu phänomenalen Leistungen fähig, wie man hier bei den Polionauten von STAFF BENDA BILILI sehr eindrucksvoll erfahren kann.
Wie auch immer:
Berliner Filmfestivals online
Es hat schon seine Vorteile, wenn einen der Ruhm erst in jener Phase erreicht, mit der man sich statistisch gesehen die meiste Zeit des Lebens herumschlagen muss: im Erwachsenenalter. So geschehen bei Ian Dury, dem als Vorsteher seiner Pub-Rock-Band The Blockheads erst mit Mitte 30 der Durchbruch gelang, dank solcher Tacheles redenden Singlehits, wie „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“ und „Hit Me With Your Rhythm Stick“. Dury war – im wahrsten Sinne des Wortes – seit Kindesbeinen durch eine Polio-Infektion stark gehbehindert. (Er starb 2000, mit 57 Jahren an Krebs). Sein Leiden und seine nicht zuletzt daraus resultierenden Launen prägen auch „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“, das Biopic über Durys Leben, das im Panorama der Berlinale gezeigt wurde. Wobei Regisseur Mat Whitecross im Interview den Begriff „Biopic“ strikt von sich weist. „Biopic klingt doch sehr nach einer allzu höflichen, platten Hochglanzproduktion. Damit wollten wir nichts zu tun haben“, sagt Whitecross, der schon als Co-Regisseur von Michael Winterbottoms „The Road to Guantanamo“ auf der Berlinale zu Gast war und sonst vor allem Musik-Videos für die eher gemütlichen Coldplay gemacht hatte. Letzterer Lebenslaufeintrag war es aber auch, der ihn an Bord des Ian Dury-Projekts brachte – zu seiner eigenen Überraschung, denn mit Ian Dury habe er bis dahin so gut wie nicht beschäftigt. „Aber dann habe ich mir einige seiner Auftritte aus den 70ern und 80ern auf Youtube angesehen und begriffen, wie einzigartig er war.“
Esslinger Zeitung online
Serkis : Es gibt vieles, was Ian Dury so außergewöhnlich gemacht hat. Er litt als Kind unter Polio, was seine Bewegungen sehr beeinflusst hat. Aber auch seine Art, die Songs vor-zutragen, war ganz anders als die der meisten anderen Sänger. Wir haben gar nicht erst versucht, Ian Dury sklavisch genau zu kopieren. Viel wichtiger war es uns, nachzuempfinden, weshalb er die Musik gemacht hat, die er gemacht hat. Er hatte eine unbändige Energie und er hat sich trotz der Folgen seiner Polio-Erkrankung in der Kinderzeit nie als Behinderter gefühlt. Natürlich musste ich gehen, wie er ging. Aber ich teile mit ihm auch diese unbändige Energie, die ihn immer wieder angetrieben hat.
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